Länder sollen Schulessen zum Top-Thema machen
Donnerstag, 18 Januar 2007 | Autor: vzbv
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte die Länder auf, die Qualität des Essens und die Ernährungsbildung in Schulen zum Top-Thema zu machen. "Theorie und Praxis müssen wieder stärker ineinandergreifen", sagte vzbv-Vorstand Edda Müller zum Start der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Sie rief die Verantwortlichen auf Landes- und kommunaler Ebene auf, der Ernährungskrise bei Kindern und Jugendlichen entgegenzusteuern und für klare rechtliche Vorgaben in der Schulverpflegung zu sorgen. Edda Müller: "Die Schulverpflegung ist vielerorts besser als ihr Ruf - zahlreiche gute Beispiele müssen jetzt endlich in ganz Deutschland Schule machen."
"Gutes Essen und Ernährungserziehung in der Schule sind der notwendige Kontrapunkt zum Werbemärchen von 'gesunden Süßigkeiten' und zu familiären Ernährungsdefiziten", so Müller. "Der flächendeckende Ausbau der Ganztagsbetreuung an den Schulen ist eine einmalige Chance." Diese Chance zur Verbesserung der Gesundheit, Konzentrationsfähigkeit und Lernfreude von Kindern und Jugendlichen dürfe man nicht verspielen. Klar sei, dass mit dem Anspruch der Schulen nicht vereinbar ist, hungrige Schüler mit Süßigkeiten und Softdrinks zu versorgen.
Esskultur im Wandel: Wenn Eltern versagen, müssen Schulen einspringen Jedes sechste Kind in Deutschland ist zu dick. Mitte der achtziger Jahre war die Zahl der übergewichtigen und fettsüchtigen Kinder nur halb so groß. Neben Defiziten in der Familie (kein gemeinsames Essen mehr, jedes vierte Kind kommt ohne Frühstück zur Schule), einer intensiven Bewerbung zucker- und fetthaltiger Kinderlebensmittel und Bewegungsmangel (20 Prozent der elfjährigen Jungen sitzen mindestens vier Stunden am Tag vor dem Fernseher) tragen auch die Schulen Mitschuld an dieser Entwicklung: Häufig gilt auch für das Essen in Schulen: zu süß, zu fett, zu wenig Obst und Gemüse. Gleichzeitig findet hauswirtschaftlicher Unterricht mit den Themen Lebensmittel und Ernährung im Schulunterricht kaum statt.
Dabei ist gerade das Schulalter wichtig für die Ausprägung von Ernährungsverhalten, des Gewichts sowie Gesundheitszustands im Erwachsenenalter. Wer bereits als Kind oder Jugendlicher übergewichtig ist, ist dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter. Bei übergewichtigen Zehn- bis 13-Jährigen beträgt die Wahrscheinlichkeit, auch als Erwachsene übergewichtig zu sein, mehr als 80 Prozent. Millionen Kinder stillen ihren Hunger zum großen Teil in der Schule - vornehmlich am Schulkiosk oder durch Automaten. Der Trend zur Ganztagschule bietet eine Chance, durch die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Verpflegungsangebots in Schulen, dem gesamtgesellschaftlichen Negativ-Trend steigender Übergewichtsraten bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.
Studie belegt: Gute Ansätze bleiben lückenhaft Eine vom vzbv zum Auftakt der Grünen Woche präsentierte Erhebung zur Situation der Schulverpflegung in Deutschland zeigt, dass zwar vielerorts verbindliche Vorgaben für das Schulessen in den Schulgesetzen fehlen. Zugleich gibt es jedoch viele gute Einzelaktivitäten und Ansätze, die es zu bündeln gilt:
So sieht das Schulgesetz von Sachsen-Anhalt ein warmes Vollwertmahl zu sozial angemessenem Preis vor. Bei der Umsetzung in der Praxis müssen der Schülerrat und der Schulelternrat vom Schulträger angehört werden. Auch in Brandenburg muss die Schule zur Mittagsversorgung angehört werden. Hier wie auch in Mecklenburg-Vorpommern gewährleisten die Schulgesetze zudem eine Milchversorgung. In vielen Bundesländern entscheidet die Schulkonferenz über das Warengebot an Schulkiosken und Automaten. In Berlin haben fast alle Bezirke die "Berliner Qualitätskriterien" zur Verpflegungsorganisation in ihre Ausschreibungsverfahren für Catering-Unternehmen aufgenommen. In Brandenburg ist dies geplant. In Berlin gibt es Zuschüsse für Grundschüler, in Rheinland-Pfalz für sozial benachteiligte Schüler. Die Zusammenarbeit mit fachwissenschaftlichen und regionalen Akteuren (unter anderem in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen) und das Zertifikat "Gesundheitsfördernde Schule" in Hessen sind weitere positive Ansätze zur Nachahmung.
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Edda Müller: Schulen müssen Ernährungskrise bei Kindern entgegensteuern - gute Beispiele müssen Schule machen
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte die Länder auf, die Qualität des Essens und die Ernährungsbildung in Schulen zum Top-Thema zu machen. "Theorie und Praxis müssen wieder stärker ineinandergreifen", sagte vzbv-Vorstand Edda Müller zum Start der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Sie rief die Verantwortlichen auf Landes- und kommunaler Ebene auf, der Ernährungskrise bei Kindern und Jugendlichen entgegenzusteuern und für klare rechtliche Vorgaben in der Schulverpflegung zu sorgen. Edda Müller: "Die Schulverpflegung ist vielerorts besser als ihr Ruf - zahlreiche gute Beispiele müssen jetzt endlich in ganz Deutschland Schule machen."
"Gutes Essen und Ernährungserziehung in der Schule sind der notwendige Kontrapunkt zum Werbemärchen von 'gesunden Süßigkeiten' und zu familiären Ernährungsdefiziten", so Müller. "Der flächendeckende Ausbau der Ganztagsbetreuung an den Schulen ist eine einmalige Chance." Diese Chance zur Verbesserung der Gesundheit, Konzentrationsfähigkeit und Lernfreude von Kindern und Jugendlichen dürfe man nicht verspielen. Klar sei, dass mit dem Anspruch der Schulen nicht vereinbar ist, hungrige Schüler mit Süßigkeiten und Softdrinks zu versorgen.
Esskultur im Wandel: Wenn Eltern versagen, müssen Schulen einspringen Jedes sechste Kind in Deutschland ist zu dick. Mitte der achtziger Jahre war die Zahl der übergewichtigen und fettsüchtigen Kinder nur halb so groß. Neben Defiziten in der Familie (kein gemeinsames Essen mehr, jedes vierte Kind kommt ohne Frühstück zur Schule), einer intensiven Bewerbung zucker- und fetthaltiger Kinderlebensmittel und Bewegungsmangel (20 Prozent der elfjährigen Jungen sitzen mindestens vier Stunden am Tag vor dem Fernseher) tragen auch die Schulen Mitschuld an dieser Entwicklung: Häufig gilt auch für das Essen in Schulen: zu süß, zu fett, zu wenig Obst und Gemüse. Gleichzeitig findet hauswirtschaftlicher Unterricht mit den Themen Lebensmittel und Ernährung im Schulunterricht kaum statt.
Dabei ist gerade das Schulalter wichtig für die Ausprägung von Ernährungsverhalten, des Gewichts sowie Gesundheitszustands im Erwachsenenalter. Wer bereits als Kind oder Jugendlicher übergewichtig ist, ist dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter. Bei übergewichtigen Zehn- bis 13-Jährigen beträgt die Wahrscheinlichkeit, auch als Erwachsene übergewichtig zu sein, mehr als 80 Prozent. Millionen Kinder stillen ihren Hunger zum großen Teil in der Schule - vornehmlich am Schulkiosk oder durch Automaten. Der Trend zur Ganztagschule bietet eine Chance, durch die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Verpflegungsangebots in Schulen, dem gesamtgesellschaftlichen Negativ-Trend steigender Übergewichtsraten bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.
Studie belegt: Gute Ansätze bleiben lückenhaft Eine vom vzbv zum Auftakt der Grünen Woche präsentierte Erhebung zur Situation der Schulverpflegung in Deutschland zeigt, dass zwar vielerorts verbindliche Vorgaben für das Schulessen in den Schulgesetzen fehlen. Zugleich gibt es jedoch viele gute Einzelaktivitäten und Ansätze, die es zu bündeln gilt:
So sieht das Schulgesetz von Sachsen-Anhalt ein warmes Vollwertmahl zu sozial angemessenem Preis vor. Bei der Umsetzung in der Praxis müssen der Schülerrat und der Schulelternrat vom Schulträger angehört werden. Auch in Brandenburg muss die Schule zur Mittagsversorgung angehört werden. Hier wie auch in Mecklenburg-Vorpommern gewährleisten die Schulgesetze zudem eine Milchversorgung. In vielen Bundesländern entscheidet die Schulkonferenz über das Warengebot an Schulkiosken und Automaten. In Berlin haben fast alle Bezirke die "Berliner Qualitätskriterien" zur Verpflegungsorganisation in ihre Ausschreibungsverfahren für Catering-Unternehmen aufgenommen. In Brandenburg ist dies geplant. In Berlin gibt es Zuschüsse für Grundschüler, in Rheinland-Pfalz für sozial benachteiligte Schüler. Die Zusammenarbeit mit fachwissenschaftlichen und regionalen Akteuren (unter anderem in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen) und das Zertifikat "Gesundheitsfördernde Schule" in Hessen sind weitere positive Ansätze zur Nachahmung.


