Einigung bei dem lippischen Kunststoffzulieferer OHS
Dienstag, 12 Januar 2010 | Autor: Yvonne Maslo
Einigung bei dem lippischen Kunststoffzulieferer OHS
Produktion bis Ende März gesichert
Bad Salzuflen. Bereits am Wochenende ist mit der Instandsetzung der Maschinen bei der Firma OHS-Kunststofftechnik in Bad Salzuflen begonnen worden. Die Produktion wird am Montag aufgenommen. Dies ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Geschäftsführung bei OHS. Damit geht eine eher unappetitliche Episode vorläufig zu Ende, in der ein Geschäftsführer versucht hat, heimlich während des Weihnachtsurlaubs einen Betrieb zu schließen.
OHS Kunststofftechnik in Bad Salzuflen ist ein Ableger der SEG-Gruppe mit Sitz in Hörstel bei Münster. Seit 2003 produzieren etwa 25 Mitarbeiter bei OHS Teile aus Kunststoff vor allem als Zulieferer größerer lippischer Kunststoffunternehmen. Hervorgegangen ist die OHS aus der ebenfalls in Bad Salzuflen ansässigen Firma Ninkaplast. "Ärger hat es seit der Übernahme immer mal wieder gegeben", erklärt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von OHS, Nicole Storny, "mal sollte kein Weihnachtsgeld gezahlt werden, mal wurde der Betriebsrat nicht ordentlich informiert."
Was sich aber über den Weihnachtsurlaub abspielen sollte, hatte eine andere Qualität. Der Chef selbst, Wolfgang Drunagel, auch Geschäftsführer bei SEG, legte mit einigen eigens damit beauftragten Monteuren Hand an die Maschinen. Das Ziel war, alle Maschinen abzubauen und nach Hörstel zur SEG zu transportieren. Die OHS- Mitarbeiter hätten am 04. Januar vor verschlossenen Türen gestanden. Als der Betriebsrat Wind von der Sache bekam, standen die Schwerlasttransporter schon zur Abfahrt bereit. Mit Unterstützung der IG Metall verhinderten die Mitarbeiter den Abtransport. Auch für Rechtsanwalt Klaus Pahde, der den Betriebsrat vertritt, ist dieser Fall in der Region ohne Beispiel: " Dass der Chef selbst im Urlaub heimlich die Lichter ausmacht, das ist vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen. Das ist auch kein Kavaliersdelikt, die Grenze zur Strafbarkeit ist hier gewiss überschritten."
Arbeitnehmern 250.000 EURO Strafe angedroht
Eine böse Überraschung erlebten die Arbeitnehmer am zweiten Tag ihrer Blockade: Das Amtsgericht Lemgo drohte jedem einzelnen von ihnen eine Strafe von 250 Tausend EURO für den Fall an, dass sie den Abtransport der Maschinen weiter verhinderten. Gewerkschaftssekretär Svend Newger ist empört: "Da will ein Geschäftsführer den Arbeitnehmern in einer Nacht- und Nebelaktion die Arbeitsplätze klauen und das Lemgoer Amtsgericht bestraft diejenigen, die sich dagegen wehren! Und dabei hat der Amtsrichter die Betroffenen vor seiner Entscheidung noch nicht einmal angehört."
Letztlich gelang es der OHS-Belegschaft aber doch, die Demontage der Maschinen zu verhindern. Nach intensiven Verhandlungen zogen Monteure und Transporter noch vor Weihnachten unverrichteter Dinge ab. Was zu diesem Zeitpunkt auf Arbeitnehmerseite noch niemand wusste: Der Geschäftsführer Drunagel hatte in letzter Minute von allen Maschinen einzelne elektronische Bauteile, so genannte Platinen entfernen lassen und damit die Wiederinbetriebnahme der Maschinen verhindert. Zwei Tage vor Heiligabend stellte die Geschäftsführung dann einen Insolvenzantrag beim Landgericht Detmold. Rechtsanwalt Stefan Stodolka wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Geschäftsführer verhindert zunächst Weiterarbeit nach Weihnachten
Noch vor Weihnachten traf sich die Arbeitnehmerseite mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter im Betrieb. Erst jetzt wurde festgestellt, dass trotz vorhandener Aufträge der Betrieb nicht wieder aufgenommen werden konnte. Der Grund: Die fehlenden Platinen für die Spritzgussmaschinen. Auf Druck der Arbeitnehmerseite fand am Tag vor Silvester ein Treffen mit der Arbeitgeberseite statt. Aber auch hier konnte keine Einigung erzielt werden. Der Arbeitgeber bestand darauf, die Maschinen abtransportieren zu dürfen.
Erst nachdem Anfang Januar klar wurde, dass die gesamte SEG-Gruppe wegen der Umstände bei OHS am Rande der Insolvenz stand, lenkte die Geschäftsführung ein. Die fehlenden Elektronikteile werden ab sofort wieder in die Maschinen eingebaut, damit dringende Aufträge sofort abgearbeitet werden können. Schon ab Montag heute sollen die ersten Maschinen wieder laufen.
"Ich will das nicht ‚Einknicken‘ nennen", kommentiert Nicole Storny vom Betriebsrat, "vielleicht ist es Einsicht. Jedenfalls sind wir froh, dass es erst einmal weitergeht." Nach der Einigung soll die Produktion Bad Salzuflen zunächst bis Ende März laufen können. Dafür stellt die SEG dem Insolvenzverwalter Maschinen und Werkzeuge kostenfrei zur Verfügung. Ferner stellt SEG sicher, dass das Insolvenzverfahren eröffnet werden kann.
Strafrechtliches Nachspiel
Natürlich werde die Angelegenheit ein juristisches, auch strafrechtliches Nachspiel haben, meint Rechtsanwalt Pahde. Nach seiner Meinung wird zu prüfen sein, welche Straftatbestände hier verwirklicht worden sind. Der Rechtsanwalt: "Uns kam es aber zunächst darauf an, den Betrieb wieder ans Laufen zu bekommen. Wenn Herr Drunagel bestraft wird ist das zwar wichtig. Viel wichtiger ist aber, dass die Arbeitnehmer an die Arbeit kommen und Geld aufs Konto kommt, damit der Kühlschrank voll ist. Das haben wir für diesen Monat jedenfalls erreicht."
kp 10.01.2010
Einigung bei dem lippischen Kunststoffzulieferer OHS
Produktion bis Ende März gesichert
Bad Salzuflen. Bereits am Wochenende ist mit der Instandsetzung der Maschinen bei der Firma OHS-Kunststofftechnik in Bad Salzuflen begonnen worden. Die Produktion wird am Montag aufgenommen. Dies ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Geschäftsführung bei OHS. Damit geht eine eher unappetitliche Episode vorläufig zu Ende, in der ein Geschäftsführer versucht hat, heimlich während des Weihnachtsurlaubs einen Betrieb zu schließen.
OHS Kunststofftechnik in Bad Salzuflen ist ein Ableger der SEG-Gruppe mit Sitz in Hörstel bei Münster. Seit 2003 produzieren etwa 25 Mitarbeiter bei OHS Teile aus Kunststoff vor allem als Zulieferer größerer lippischer Kunststoffunternehmen. Hervorgegangen ist die OHS aus der ebenfalls in Bad Salzuflen ansässigen Firma Ninkaplast. "Ärger hat es seit der Übernahme immer mal wieder gegeben", erklärt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von OHS, Nicole Storny, "mal sollte kein Weihnachtsgeld gezahlt werden, mal wurde der Betriebsrat nicht ordentlich informiert."
Was sich aber über den Weihnachtsurlaub abspielen sollte, hatte eine andere Qualität. Der Chef selbst, Wolfgang Drunagel, auch Geschäftsführer bei SEG, legte mit einigen eigens damit beauftragten Monteuren Hand an die Maschinen. Das Ziel war, alle Maschinen abzubauen und nach Hörstel zur SEG zu transportieren. Die OHS- Mitarbeiter hätten am 04. Januar vor verschlossenen Türen gestanden. Als der Betriebsrat Wind von der Sache bekam, standen die Schwerlasttransporter schon zur Abfahrt bereit. Mit Unterstützung der IG Metall verhinderten die Mitarbeiter den Abtransport. Auch für Rechtsanwalt Klaus Pahde, der den Betriebsrat vertritt, ist dieser Fall in der Region ohne Beispiel: " Dass der Chef selbst im Urlaub heimlich die Lichter ausmacht, das ist vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen. Das ist auch kein Kavaliersdelikt, die Grenze zur Strafbarkeit ist hier gewiss überschritten."
Arbeitnehmern 250.000 EURO Strafe angedroht
Eine böse Überraschung erlebten die Arbeitnehmer am zweiten Tag ihrer Blockade: Das Amtsgericht Lemgo drohte jedem einzelnen von ihnen eine Strafe von 250 Tausend EURO für den Fall an, dass sie den Abtransport der Maschinen weiter verhinderten. Gewerkschaftssekretär Svend Newger ist empört: "Da will ein Geschäftsführer den Arbeitnehmern in einer Nacht- und Nebelaktion die Arbeitsplätze klauen und das Lemgoer Amtsgericht bestraft diejenigen, die sich dagegen wehren! Und dabei hat der Amtsrichter die Betroffenen vor seiner Entscheidung noch nicht einmal angehört."
Letztlich gelang es der OHS-Belegschaft aber doch, die Demontage der Maschinen zu verhindern. Nach intensiven Verhandlungen zogen Monteure und Transporter noch vor Weihnachten unverrichteter Dinge ab. Was zu diesem Zeitpunkt auf Arbeitnehmerseite noch niemand wusste: Der Geschäftsführer Drunagel hatte in letzter Minute von allen Maschinen einzelne elektronische Bauteile, so genannte Platinen entfernen lassen und damit die Wiederinbetriebnahme der Maschinen verhindert. Zwei Tage vor Heiligabend stellte die Geschäftsführung dann einen Insolvenzantrag beim Landgericht Detmold. Rechtsanwalt Stefan Stodolka wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Geschäftsführer verhindert zunächst Weiterarbeit nach Weihnachten
Noch vor Weihnachten traf sich die Arbeitnehmerseite mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter im Betrieb. Erst jetzt wurde festgestellt, dass trotz vorhandener Aufträge der Betrieb nicht wieder aufgenommen werden konnte. Der Grund: Die fehlenden Platinen für die Spritzgussmaschinen. Auf Druck der Arbeitnehmerseite fand am Tag vor Silvester ein Treffen mit der Arbeitgeberseite statt. Aber auch hier konnte keine Einigung erzielt werden. Der Arbeitgeber bestand darauf, die Maschinen abtransportieren zu dürfen.
Erst nachdem Anfang Januar klar wurde, dass die gesamte SEG-Gruppe wegen der Umstände bei OHS am Rande der Insolvenz stand, lenkte die Geschäftsführung ein. Die fehlenden Elektronikteile werden ab sofort wieder in die Maschinen eingebaut, damit dringende Aufträge sofort abgearbeitet werden können. Schon ab Montag heute sollen die ersten Maschinen wieder laufen.
"Ich will das nicht ‚Einknicken‘ nennen", kommentiert Nicole Storny vom Betriebsrat, "vielleicht ist es Einsicht. Jedenfalls sind wir froh, dass es erst einmal weitergeht." Nach der Einigung soll die Produktion Bad Salzuflen zunächst bis Ende März laufen können. Dafür stellt die SEG dem Insolvenzverwalter Maschinen und Werkzeuge kostenfrei zur Verfügung. Ferner stellt SEG sicher, dass das Insolvenzverfahren eröffnet werden kann.
Strafrechtliches Nachspiel
Natürlich werde die Angelegenheit ein juristisches, auch strafrechtliches Nachspiel haben, meint Rechtsanwalt Pahde. Nach seiner Meinung wird zu prüfen sein, welche Straftatbestände hier verwirklicht worden sind. Der Rechtsanwalt: "Uns kam es aber zunächst darauf an, den Betrieb wieder ans Laufen zu bekommen. Wenn Herr Drunagel bestraft wird ist das zwar wichtig. Viel wichtiger ist aber, dass die Arbeitnehmer an die Arbeit kommen und Geld aufs Konto kommt, damit der Kühlschrank voll ist. Das haben wir für diesen Monat jedenfalls erreicht."
kp 10.01.2010


