Verbraucherorganisationen trafen Musikindustrie in Oslo - EMI-Musik künftig ohne Kopierschutz bei iTunesIn einem Spitzengespräch in Oslo mit dem Internationalen Phonoverband (IFPI) forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gemeinsam mit Verbraucherorganisationen aus Frankreich, Finnland und Norwegen mehr Kundenorientierung beim Angebot digitaler Inhalte. "Die Ergebnisse können als ein erster Erfolg unseres Einsatzes für eine uneingeschränkte Interoperabilität und weniger Restriktionen bei der Nutzung digitaler Inhalte gewertet werden", so Patrick von Braunmühl, stellvertretender Vorstand des vzbv nach dem Gespräch.
In dem Gespräch am vergangenen Freitag ging es vor allem um die Zukunft so
genannter DRM-Systeme und deren fehlende Interoperabilität. DRM (Digital Rights
Management) sind technische Barrieren, die das Kopieren und die Nutzung
digitaler Inhalte beschränken. IFPI erklärte in dem Gespräch, Interoperabilität
sei auch für die Musikindustrie ein wichtiges Ziel. Insofern stimme man mit der
Forderung der Verbraucherorganisationen überein. Das Thema sollte allerdings
nach Ansicht von IFPI dem Markt überlassen werden.
Apple-Chef fordert
Verzicht auf DRM-Systeme
In einer gemeinsamen Erklärung hatten der
vzbv, die französische Verbraucherorganisation UFC Que Choisir und die
Verbraucherombudsmänner aus Finnland und Norwegen am 22.01.07 die Apple-Tochter
iTunes angegriffen. Der Grund: Bei iTunes gekaufte Musik kann nur auf dem
hauseigenen iPod und nicht auf jeden anderen beliebigen Gerät abgespielt werden
(fehlende Interoperabilität). Die Organisationen hatten zudem die Musikindustrie
aufgefordert, auf nutzerfeindliche Kopierschutzsysteme zu verzichten.
Unterstützung kam dabei von Apple-Chef Steven Jobs: Er hatte Anfang Februar den
völligen Verzicht auf sogenannte DRM-Systeme gefordert und der Musikindustrie
vorgeworfen, den Einsatz dieser Syteme entgegen den Kundeninteressen zu
forcieren.
Das Gespräch in Oslo war auf Initiative von IFPI zustande
gekommen. "Wir werden IFPI beim Wort nehmen. Nachdem sich jetzt sowohl iTunes
als auch die Musikindustrie zum Ziel der Interoperabilität bekannt hat, muss
dieses jetzt zügig umgesetzt werden. Bis September muss sich zeigen, wie ernst
es beiden Parteien damit ist", so von Braunmühl. Die Verbraucherschützer hatten
iTunes ein Ultimatum gesetzt durch Nachverhandlungen mit den Plattenfirmen bis
September eine Einigung zu erzielen, die es Verbrauchern ermöglicht, bei iTunes
gekaufte Musikstücke auf Endgeräten ihrer Wahl zu nutzen. Nach Verstreichen
dieser Frist werde man rechtliche Schritte einleiten.
Heute kündigte der
Musikkonzern EMI an, in Zukunft einen großen Teil seines Musikkataloges bei
iTunes ohne Kopierschutz anzubieten. "Dies ist ein wichtiger Teilschritt zur
Erfüllung unserer Forderungen. Nun müssen die anderen Musikkonzerne nachziehen",
kommentierte von Braunmühl die Vereinbarung zwischen EMI und
iTunes.
Studie: Interoperabilität ist Hauptanspruch an digitale Musik
Die Indicare-Studie "Digital Music Usage and DRM" aus dem Jahre 2005
kam zu dem Ergebnis, dass fehlende Interoperabilität einer der Hauptgründe für
den Kauf illegaler Musik ist. Demnach sind Verbraucher durchaus bereit, für den
Kauf von digitalen Inhalten angemessen zu bezahlen, für ihr Geld erwarten sie
aber auch den entsprechenden Gegenwert. Die Studie untersuchte die
Nutzungsgewohnheiten von 4852 Internetusern in sieben Europäischen Ländern
(Deutschland, Spanien, Frankreich, Ungarn, Niederlande und Schweden). Den
deutschen Teil der Untersuchung führte die Gesellschaft für Konsumforschung
(Gfk) im Februar 2005 mit einer repräsentativen Onlineumfrage durch. Dabei stand
im ersten Schritt die Frage im Vordergrund, ob die Personen bereits digitale
Musikangebote genutzt haben oder nutzen. Diese Gruppe wurde sodann detailliert
zu ihrem Nutzungsverhalten befragt. Die Untersuchung ist repräsentativ für
Internetnutzer der teilnehmenden Länder ab einem Alter von 10 Jahren. Die
Ergebnisse:
- Interoperabilität ist der Hauptanspruch an digitale Musik. Der überwiegende Teil der Nutzer digitaler Musikformate ist nicht bereit, ihre Nutzungsmöglichkeiten durch DRM einschränken zu lassen.
- 86 Prozent der Befragten kaufen lieber ein Musikstück, welches auf allen Geräten abgespielt werden kann für einen Euro, als das gleiche Musikstück für 50 Cent, das nur auf einem Gerät abgesielt werden kann.
- Ein großer Teil der Befragten weiß nicht, was DRM-Systeme sind und wie sie eingesetzt werden. Sie haben keine Kenntnis darüber, dass DRM-Systeme den Rechner auszuspionieren oder bestimmte Nutzungsprofile erstellen können.
- Es gibt einen hohen Grad an Unsicherheit bei Nutzern darüber, welche Tätigkeiten im digitalen Umfeld überhaupt legal sind und welche nicht. So sind sich 59 Prozent der Befragten nicht sicher, ob sie gekaufte CDs und Musikdateien kopieren oder an Freunde oder Familienmitglieder weitergeben dürfen.
IFPI
Die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) mit Sitz in London ist der Weltverband der Phonoindustrie. Er vertritt die Interessen von etwa 1400 Tonträgerherstellern in über 70 Ländern.


